NamenslisteArchive

interessante Geschichten




Privatarchiv Bibliografische Besonderheiten Publikationen Publikationen Publikationen Publikationen Publikationen Publikationen Publikationen Publikationen Publikationen Publikationen Publikationen


Prof. theol. Josua Stegmann


Josua Stegmann wurde am 14. September 1588 in Sülzfeld/Meiningen, als Sohn des späteren Superintendenten von Eckartsberga, Ambrosius Stegmann und dessen Ehefrau Rebekka geb. Loner geboren.

Josua StegmannEr erhielt in Eckartsberga (heute Sachsen-Anhalt) und Rosa (heute Thüringen) seinen ersten Unterricht. 1607 bezog er mit 19 Jahren die Universität Leipzig. Stegmann war kurfürstlicher Alumne. 1616 wurde er, nach der Magisterpromotion, Adjunkt der philosophischen Fakultät. Ein Jahr später durfte er seinem Lehrer Georg Weinrich die Leichenrede halten. Für die Professur am Akademischen Gymnasium in Stadthagen wurde er von Graf Ernst berufen. Er erwarb daher am 31. Oktober 1617, während des Reformationsjubiläums in Wittenberg, die theologische Doktorwürde. Josua Stegmann nahm in Stadthagen neben seiner Lehrtätigkeit die Ämter des Oberpfarrers und des Superintendenten wahr. Er heiratete 1618 die Witwe des vorherigen Superintendenten Johann Jakob Bernhardi, die um 1585 geborene, Elisabeth Margarete, geb. Cropp. Sie war die Tochter des 1608 verstorbenen Amtmanns und Bürgermeisters Heinrich Cropp. Er setzte sich, wie schon in Leipzig, mit dem Photinianismus und den Sozianern auseinander. Deshalb kam Stegmann in Stadthagen mit Angehörigen der Philosophischen Fakultät in Konflikt. Als dann 1621 das Gymnasium als Universität nach Rinteln verlegt wurde, bekam er dort nach Johannes Gisenius nur die zweite theologische Professur. Dies jedoch geschah vermutlich auf seinen eigenen Wunsch, da er nach einer außerordentlichen Professur strebte, um mehr Zeit zum Schreiben zu gewinnen. Auch aus diesem Grund lehnte der Berufungen nach Marburg und Helmstedt ab. Trotz seiner Stellung hinter J. Gisenius, hielt er die Eröffnungspredigt für die neue Hochschule. Zu seinen Schülern gehörte unter anderem der Dichter Johann Rist.

1623 wurde Rinteln von den Truppen Christians von Braunschweig geplündert. Die meisten Professoren und Studenten flohen, so auch Stegmann. Er fand in der St. Nikolai Kirche Zuflucht. Drei Jahre später kam der 38-jährige Geistliche zurück und wurde als Ephorus über die Geistlichen der Grafschaft gesetzt. Josua Stegmann dichtete 1627 den Text zur von Melchior Vulpius im Jahre 1609 komponierten Melodie „Christus, der ist mein Leben“ und schrieb somit das bekannte Gebetslied „Ach bleib mit deiner Gnade!“ Der Universität Rinteln wurde durch das Restitutionsedikt von 1629 die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Benediktinermönche versuchten den Lehrbetrieb zu hindern, den die Professoren sich bemühten aufrechtzuerhalten. Die Benediktiner sperrten die Gelder und schickten Soldaten in die Wohnung von Professor Stegmann, um die bereits erhaltene Besoldung wieder zurückzufordern. Josua Stegmann stand in dieser Situation allein da. Seine Ehefrau verstarb zuvor am 17. Dezember 1628 in Stadthagen. Er war zu dieser Zeit Witwer und Vater von noch unmündigen Kindern.

Am 13. Juli 1632 veranstalteten die Benediktinermönche ein Kampfgespräch über „die Berufung der Diener der Kirche Christi“. Fast alle Professoren lehnten die Teilnahme an diesem Gespräch ab. Einzig und allein Stegmann fühlte sich gedrungen, der Aufforderung der Mönche zu folgen. Er begab sich, als einziger Vertreter der Professorenschaft, in den großen Saal der Universität. In diesem waren die Mönche mit ihren Anhängern, sowie auch einige Soldaten versammelt. Der Gegner suchte auf Grund von Bibelstellen die Nichtigkeit der Berufung der lutherischen Pastoren zu beweisen. Angesichts der unbiblichen Behauptungen konnte Stegmann nicht schweigen. Durch Trampeln, Lachen und Klatschen wurde Stegmann bei seinen Entgegnungen gestört. Immer wenn er reden wollte, fing die bestellte Meute im Publikum laut zu johlen an. Die anwesenden Katholiken hatten es darauf abgesehen, den Vertreter der evangelischen Seite zu verhöhnen. Als die Mönche ihm nichts Stichhaltiges entgegnen konnten, brachen sie mit den Worten: „Wir müssen jetzt zur Messe gehen!“ bald das Kampfgespräch ab.


St. Nikolai Kirche zu RintelnVon diesem Erlebnis tief erschüttert, in sich gekehrt und verwirrt, ging Josua Stegmann nach Hause. Die ihm erfahrene Kränkung überwand er nicht. Diese Verhöhnung und Demütigung setzte dem bescheidenen Josua Stegmann am meisten zu. Die öffentliche Kränkung hatte ihn tief in seiner Persönlichkeit verwundet. Ein bösartiges Fieber erfasste ihn. Daran starb er, wenige Wochen nach dieser Veranstaltung, am 03. August 1632.  Der 44 jährige wurde in der St. Nikolai Kirche in Rinteln beigesetzt.

Josua Stegmann 'Ach bleib mit deiner Gnade' Aus seinem Leben und Wirken1932 schrieb Reinhold Börner, Pfarrer der St. Nikolai Kirche, zum 300. Todestag von Josua Stegmann: „Er war einer der bedeutendsten Theologen und geistlichen Schriftsteller seiner Zeit. Schon in jungen Jahren hatte er durch wissenschaftliche Disputationen die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Zahlreiche Schriften, von denen die meisten in Stadthagen und Rinteln erschienen sind, erlebten mehrere Auflagen und machten ihn in ganz Deutschland berühmt. Als unvergängliches Vermächtnis an die Nachwelt lebt noch heute sein von tiefstem evangelischen Empfinden erfülltes Lied: ’Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ!’ - Dieses Lied gehört wohl zu den am meisten gesungenen Kirchenliedern. Er hält in der ganzen protestantischen Welt die Erinnerung wach an den überzeugstreuen Mann, der in Drangsalen und Not für seinen Glauben stritt und litt, bis ihn der Tod hinwegraffte.“ [Heimblätter, Beilage zur Schaumburger Zeitung, 1932 Nr. 26, 27, 28]

Noch heute wird in vielen evangelischen Gemeinden sein Werk „Ach bleib mit deiner Gnade!“ gesungen. In der St. Nikolai Kirche in Rinteln erbitten alljährlich die Konfirmanden unmittelbar vor und nach der Einsegnung mit dem Lied für sich Gottes Gnade und Schutz.

Josua Stegmann ist, laut genealogischem Begriff für 12x Ur - Großvater, mein Ahnengroßvater.

 

Copyright 2010. daniel-riecke.de
Impressum
zur Namensliste Archive
Interessante Geschichten Kriegsschicksale Besondere Vorfahren Startseite Kontaktformular