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Die zwei Äbte von Riddagshausen - Christoph und Christian Specht


Christoph Specht, geboren am 14.02.1599 in Einbeck, war Sohn des Bürgers und Ratsherren Johann(es) Specht und dessen Ehefrau Margaretha Bodenburg.

In Helmstedt studierte er ab dem 24.11.1619 Theologie unter Georg Calixt, dem Abt von Königslutter. Am 25.07.1622 schloss er dieses Studium mit dem Titel des Magisters ab. 4 Jahre später ehelichte er die aus Wolfenbüttel stammende Dorothea Gatzemeier. Sie war die Tochter des Superintendenten Johannes Gatzemeier.

Er wurde 1626 Pastor Primus und Superintendent in Uslar. Dieses Amt bekleidet er 20 Jahre lang. Als dann 1646 Christoph Specht von Dr. Justus Gesenius, dem Generalsuperintendenten von Hannover, in das Amt des Generalsuperintendenten von Göttingen eingeführt wurde und gleichzeitig damit verbunden Pastor Primus von St. Johannis, Direktor des Pädagogiums und Professor der Theologie wurde, war er am Aufbau von Kirchen und Schulen im Gebiet der Stadt und des Fürstentums Braunschweig-Göttingen wesentlich beteiligt. Herzog August der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel berief Specht 1656 zum Nachfolger von Joachim Lütkemanns und wurde somit Abt des Klosters Riddagshausen, Generalissimus der evangelischen Geistlichkeit des Herzogtums, Konsistorialrat, Oberhofprediger und persönlicher Beichtvater des Herzogs. Dieser Berufung folgte er mit Freuden.

Wenige Monate darauf, am 26.01.1657, verstarb er jedoch und bekleidete somit dieses hohe Amt nicht lange.

Christoph Specht ist, laut genealogischem Begriff für 11x Ur - Großvater, mein Ahnenvater.

Merian-Stich um 1654 vom Kloster Riddagshausen
Stich um 1654 vom Kloster Riddagshausen (Original in meinem Besitz)

Der jüngste Sohn von Christoph Specht, Christian, wurde am 02.09.1647 in Göttingen geboren. 1657 verlor er seinen Vater und ein Jahr später auch seine Mutter. Wohin er als Vollwaise kam, ist nicht ganz überliefert. Vorstellbar wären sein Bruder Johann Jacob, der 1653 in Uslar das Amt seines Vaters als Superintendent übernommen hatte oder auch seine Schwester, Anna Dorothea, die mit Daniel von der Schulenburg verheiratet war. Eventuell lebte er aber auch am Pädagogium in Göttingen. Er zeigte bereits in frühen Jahren großen Fleiß, dem verstorbenen Vater nachzueifern. Er soll in Göttingen zu einem Stubengesellen gesagt haben: "Ich habe einen grundgelehrten Vater gehabt und will also nicht ruhen, bis ich es soweit gebracht habe.".

Verheiratet war Specht seit 1674 mit "Ilse" Lucia Steding, der Enkelin von Prof. theol. Josua Stegmann. Aus der Ehe gingen 13 Kinder hervor.

Dissertatio Theologica De Quaestione An Gentiles absque fide in Christum per etraordinariam Dei Gratiam ad salutem aeternam pertingere, aut minimum ignis aeterni supplicium declinare possint?Er studierte in Jena Theologie und Philosophie und erlangte 1670 den Magistergrad (Deckblatt der Dissertationsarbeit siehe Bild rechts - Original in meinem Besitz). Sein erstes Amt trat der junge Specht 1671 als Diakon an der Stiftskirche zu Wunstorf an. 5 Jahre blieb er dort, bis er am 03.10.1676 als zweiter Prediger an die Kreuzkirche zu Hannover berufen wurde. Über ein Jahrzehnt wirkte er dort und führte 1678 den nachmittäglichen Gottesdient und die Katechismuslehre ein, um das kirchliche Leben in seiner Gemeinde zu festigen. Ein Jahr später folgte die Einführung der öffentlichen Konfirmation, die sich positiv auf Spechts Jugendseelsorge auswirkte. Er bewies durch die Herausgabe von vier Sprachbüchern, die zwischen 1685 und 1688 gedruckt wurden, seine pädagogischen Fähigkeiten. Es folgte 1689 eine Berufung nach Eutin, wo er Konsistorialrat, Hofprediger und Superintendent des Bistums Lübeck wurde. Nur wenige Jahre weilte er dort und ging 1692 nach Wolfenbüttel. Dort wirkte er als Generalsuperintendent, Konsistorialrat und Pastor Primus an der Marienkirche. Nachdem der Abt von Riddagshausen, J.L. Pestroff, verstarb, wurde Specht von Herzog Anton Ulrich den Geistlichkeiten des Landes als Generalissimus Superintendent vorgestellt und bezog am 15.10.1693 als Abt das Kloster Riddagshausen. Ebenfalls war er bis 1697 provisorisch mit der Verwaltung der Generalsuperintendentur Helmstedt und der Inspektion Salzdahlum betraut. Trotz der großen Arbeitsbelastung, die auf Christoph Specht ruhte, erwarb er sich große Verdienste beim Aufbau des Predigerseminars im Kloster Riddagshausen, welches 1690 von den Herzögen Rudolph August und Anton Ulrich gegründet wurde. Er beteiligte sich auch an der Gründung des Jungfrauen-Klosters "Zur Ehre Gottes" in Salzdahlum, welches er am 26.06.1701 unter Beteiligung des gesamten herzoglichen Hofes einweihte. Da er auf Grund der vielen Repräsentationspflichten wie Einweihungen von Kirchen, Kapellen und Schulen und der großen Aufgaben am Hofe wenig Zeit für die Amtsausübung an der Hauptkirche hatte, konnte er sich nicht in vollem Maße diesen widmen. An diesem Punkt setzten seine neiderfüllten Gegner an und trübten somit seinen frühen Lebensabend. Unter anderem zählten zu seinen "sündhaften Vergehen", dass er es wagte, an einem Sonntagabend einer Einladung, seinem Fürsten zum Besuch der Oper zu folgen. Auch argumentierten sie, dass er im Zeitalter des überschäumenden und lebensbejahenden Barocks, vierspännig und mit livrierter Bedienung in einer Karosse ausfuhr. Am 15.10.1705, dem Geburtstag des Herzogs, wurde die Gelehrtenschule in Wolfenbüttel von Abt Specht eröffnet. Dabei fand Spechts ältester Sohn, der 13-jährige Christian, große Beachtung, indem er dem Herzog nach der Weiherede des Vaters in wohlgeformten Worten dem anwesenden Fürsten gratulierte. Der Herzog war freudig bewegt und dankte dem Knaben. Im Jahre 1706 bekleidete Specht das Amt des Oberhofpredigers in Wolfenbüttel, welches sein letztes sein sollte. Nur wenige Monate später starb er. Er wurde im Sprechtschen Gewölbe in der Klosterkirche zu Riddagshausen beigesetzt. Im Kirchenbuch des Klosters ist zu seiner Beerdigung folgendes zu finden: "... in hiesiger Closterkirche in einem Gewölbe hinter dem hohen Altar öffentlich mit allen gewöhnlichen Alennitäten beygesetzt worden. Anbey ihm dann von domahls angetretenen Priore Carl Johan Heisen die Leichpredigt auf Hochfürstl. Sprecial Befehl gehalten worden ex I Petri Cap. 1 Psalm 8.9, welcher der verst. Abt selbst beliebet hatte...".

Specht befasste sich mit einer Unionsbewegung der christlichen Kirchen und befürwortete sogar öffentlich einen Rücktritt zur Katholischen Kirche. Im Nachhinein betrachtet, kann man sagen, dass Christian Specht sein Ziel, das er in jungen Jahren in Göttingen seinem Stubengesellen offenbart haben soll, es soweit wie der Vater zu bringen, geschafft hat.

Christian Specht ist, laut genealogischem Begriff für 10x Ur - Großvater, mein Stammurgroßvater.

[Quelle: u.a. Norddeutsche Familienkunde, 9. Jahrgang, Heft 1/1960, "Magister Christian Specht, Abt von Riddagshausen - Sein Lebenslauf genealogisch gesehen", Heinz-Bruno Krieger]

 

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