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Petrus Pfeffer über sich und seine Familie im Jahr 1604


Auf Bitten seiner Kinder, schrieb mein 13x Ur-Großvater (Ahnenurgroßvater) Petrus Pfeffer (1528 - 1605) am 19.11.1604 ein paar Zeilen über sein Leben und seine Familie auf. Petrus Pfeffer war Pfarrer in der Gemeinde Ingelfingen.

"Ich, Petrus Pfeffer, Pfarrer zu der Zeit zu Ingelfingen habe aus Bitt meiner Kinder kurz und gründlich verzeichnet mit eigener Hand den Stipitem [lat. Stamm] des alten Pfeffersgeschlecht zu Neydennaw [Neudenau - Anm. D. Riecke]. Soviel ich nach der Zeit davon weiß, so lang mir gedenkt, auch mit meinen Augen gesehen hab, beschrieben.

(1) Der erste Stamm damals ist gewesen der alte Peter Pfeffer, Bürger und Bauersmann zu Neydennaw, mein Altvatter, hat Söhne und Töchter gezeugt, nämlich Gangolf, Peter, Balthasar, Clara und Catharina, von denen das Pfeffergeschlecht ist propagiert worden, bis auf den heutigen Tag. - Er ist 104 Jahre alt geworden und ist gestorben im Spanier Krieg [Schmalkaldischer Krieg - Anm. D. Riecke] Anno 1547. Bei seinem End bin ich gewesen, und wie im Papsttum gewöhnlich Ihm dem Stebenden eine brennende Kerze fürgehalten und vorgebeten habe. So viel ungefährlich vom Alt-Vater.

(2) Was nun seinen Sohn Gangolf, meinen lieben Vater selig belangt, so a Stipite avo primum gradum [lat. vom Zweig des Großvaters ersten Grades] constituiert und macht, ist er im Papsttum geboren und erzogen, studiert und geistlich worden, seine erste Meß zu Neydennaw celebriert und nachmals Pfarrer zu Sieglingen worden, so Württembergisch, und dazumal noch im Papsttum gewesen, auch damals eine Zeitlang in Blindheit und Finsternis des Papsttums verharrt. So bald aber Württemberg das Evangelium angenommen, und die Greuel, Abgötterei und das Papsttum ausgejagt, das Land reformiert, hat mein lieber Vater piae momoriae [lat. seeligen Angedenkens] das Evangelium alsobald mit Freude und H. Danksagung angenommen Anno 1526, Christtum und sein Evangelium lauter und rein bis ans End beständig gepredigt und bekennet und einen ordentlichen Ehestand mit meiner lieben Mutter selig Anna Christine gezeugt 8 Kinder, nämlich mich Petrum als den Primogenitum [lat. Erstgeburt], danach Marcum, Elisabeth, Paulum und andere, so jung gestorben. Von Sieglingen ist Er gen Unter-Eisesheim von Junker Sambson von Lammersheim vociert worden. Als Ihn aber der Junker hat zuviel zusammengeschafft und zur Schreiberei gebrauchen wollen, als er 3 Jahre lang allda gewesen, ist er wieder in Württemberg kommen und gen Eberstadt im Weinsberger Amt gelegen zum Pfarrer berufen worden Anno 1540. Daselbst Anno 48, 14 Tag nach Ostern gestorben seines Alters 63 Jahr und zur Erd ehrlich bestattet worden.

(3) Was mich [Petrus - Anm. D. Riecke], seinen Sohn belangt den Nepotem [lat. Enkel] ab Avo [vom Opa]. Weil wir im Spanischen Krieg verderbet worden, bin ich der Schule nachgezogen und habe meine Nahrung ostiatim [von Tür zu Tür] suchen müssen; endlich auf die Universität Heidelberg kommen, in der 2 Jahr ungefährlich studiert, von dannen gen Wimpfen kommen, 1 Jahr lang Collaborator Scholae [Lehrer] gewesen, von dannen von den Junkern Neudeckern als damals Collatoribus der Pfarrer Beutingen daselbst zum Pfarrer berufen und angenommen worden. Anno 53 an Allerheiligentag meine 1. Predigt allda getan. Im folgenden Jahr 54 daselbst öffentlich 14 Tag nach Ostern zu Kirch und Straßen gangen mit Anna Rentzin von Wimpfen, und bei der Hochzeit auf dem Rathaus allda 9 Tisch auf meine Kosten gehalten, allda 3 Jahre lang im Kirchendienst gewesen; von dannen von dem wohlgeborenen Grafen und Herrn, H. Ludwig Casimir, Graf von Hohenlohe löblichen und christlichen Gedächtnisses allhier gen Ingelfingen zum Pfarrer berufen und angenommen worden. Bin also hierher [Ingelfingen] gefahren den 6. Novembris in die Leonhardi Anno 56, der Kirch allhie präsentiert und vorgestellt worden den folgenden Sonntag per Grimnrm, Superintendente, Referendus Vir Dom.Joh.Hartmann zu Öhringen. Bin also noch allhier bis in das 49. Jahr, noch in währender erster Ehe, da mein ganzes Alter ist 76 Jahr. Wie mirs aber in ministerio [lat. im Dienst, im Amt] gangen , was ich habe gelitten und ausgestanden, auch wie viel Kinder ich mit der Mutter gezeugt, nämlich 12, und wie ich meine Kindeskinder bis ins 3. Glied gesehen, wissen meine Kinder wohl, ist auch anderswo verzeichnet.

Dies hab ich kürzlich manu propria [eigenhändig] geschrieben d. 19.Nov.1604.

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Diese copiam [lat. Abschrift] hab ich Unterzeichneter aus deren von H. Altvater selig gelösten mit s. eigenen Hand verfertigten Verzeichnis zu Ehren u. Gedächtnis dem ehrlich alten wohlhergebrachten Stamme des Pfeffergeschlechts, getreulich von Wort zu Wort abgeschrieben und dieselbe meinem lieben Vetter Michael Bayer, Bürger und Schreiner zu Ingelfingen, auch Hausfrau Ursula, meinem ehrgeliebten Bäslein. Welche als ich aus einer and. weiland H. Altvatters sel. Handschrift befand d. 9.Nov. 3 Uhr nachmittags Anno 1572 in diese Welt ist geboren worden nachgehends mit ehrnbesagtem Michael Bayer den 26.April Anno 1597 zu Ingelfingen zu Kirch und Straße gangen / Zugestellt..

Oft ermelter H. Altvatter selig ist im Herrn Christ selig eingeschlafen den 2.Juni Anno 1605 im 77. Jahr seines Alters, getragenen Predigtamts im 52. Jahr, in währender erster Ehe im 51. Jahr. Actum 1.August 1606.

Jacob Dörner, Ludimoderator [Schulmeister] Niedernhallensis [Niedernhall]"


Der Kreisarchivar des Hohenlohekreises Rainer Groß, erwähnte in seinem Vortrag "Warum die Ingelfinger 'Kasimirlich' heißen" mehrmals meinen Alturgroßvater Petrus Pfeffer. Ich möchte es nicht versäumen, diese Textstellen ergänzend zu der oben stehenden "Familienchronik Pfeffer" hier zu veröffentlichen.

"Als erstes wurde 1556 das Öhringer Stift reformiert... Am 25./26. Mai wurden alle Pfarrer nach Öhringen befohlen, wo ihnen angezeigt wurde, dass eine neue Reformation gemacht und die Messe abgeschafft werden soll. Es wurde den Pfarrern auch der Befehl gegeben, in Kürze mit den Schultheißen, Gemeindevertretern und Schulmeistern zu einem Examen und einer Befragung erneut nach Öhringen zu kommen. Die Befragung aller Vertreter aus 41 Pfarreien dauerte eine Woche. Im Mittelpunkt der Befragung stand das theologische Examen, bei dem am besten der Pfarrer von Langenbeutingen, Petrus Pfeffer, abschnitt. Noch im gleichen Jahr wurde Pfeffer Stadtpfarrer und später auch Superintendent in Ingelfingen. Der Ingelfinger Pfarrer und Nachfolger des Mathäus Chyträus, Augustinus Wilhelm, wurde seines Amtes enthoben, da er trotz eines Verbots, auch weiter die kath. Beichte mit Absolution praktizierte.

...

1558 wurde eine neue Visitationsordnung erlassen, die eine doppelte Zucht durch die Obrigkeit und Geistlichkeit vorsah. Unabhängig von der Obrigkeit hatten die Pfarrer den Befehl 'derethalben diejenigen, so in öffentliche lastern liegen und etlich mal sind ermahnt worden, aber drotzendlicher weiß in ihren sünden beharren, sollen niht zum nachtmal, zur tauf als gvattern gelassen, oder wie ain rechter christ, sondern wie ain hund zu erden bestattigt werden.' In der Umsetzung dieses Auftrags war vor allem der Stadtpfarrer von Ingelfingen, Petrus Pfeffer, besonders eifrig. 1563 beschwerte sich die Bürgerschaft zu Ingelfingen über den Stadtpfarrer Pfeffer, da dieser einer Frau, die den Katechismus nicht aufsagen konnte, das Abendmahl verweigerte, obwohl diese angezeigt hatte, 'dass sie von jugent auf nit gelernt und jetzo zu lernen unmüglich ist.'

Zehn Jahre später wies Petrus Pfeffer den Bürgermeister von Ingelfingen, Stoffel Werner, vom Abendmahl ab, da sein unzüchtiges Wesen ruchbar geworden sei. Nachdem der Bürgermeister angeblich wieder bei einem unsittlichen Antrag ertappt wurde, setzte es P. Pfeffer durch, dass Stoffel Werner auch gerichtlich belangt wurde. Wegen versuchten Ehebruchs wurde er zu 8 Wochen Turmstrafe und zu einer Geldstrafe von 300 fl. [Gulden - Anm. D. Riecke] verurteilt. Bei einem so strengen Sittenhüter hätte es sich auch (Graf) Ludwig Casimir nicht getraut, in Ingelfingen unzüchtig in Erscheinung zu treten.

...

In Hohenlohe kann das Volksschulwesen im Allgemeinen als ein Kind der Reformation bezeichnet werden und dieses ist mit dem Wirken Ludwig Casimirs verbunden. ... Die Generalvisitation von 1556 stellt im Schulwesen große Mängel fest. Der Ingelfinger Schulmeister erhielt kein gutes Zeugnis. ... Petrus Pfeffer, ab 1566 Stadtpfarrer in Ingelfingen, war einer der eifrigsten Verfechter einer Schule, in der alle Kinder und Jugendlichen lesen lernen sollten. Unter der strengen Aufsicht ihres Stadtpfarrers haben die Ingelfinger sich mehr befleißigen müssen, fromme und züchtige Untertane ihres Landesherren zu werden, als manche ihrer Nachbarn... ."


Vor allem danke ich dem in diesem Jahr verstorbenen Heimat- und Familienforscher Dieter Schmidt für die ausführlichen Quellenhinweise zum Leben Petrus Pfeffers.

Quellen:

- Taufbuch der Gemeinde Ingelfingen

- Kreisarchivar Rainer Groß: "Warum die Ingelfinger 'Kasimirlich' heißen", Vortrag

 

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