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K örbers waren 47 Mal zu Besuch -
eine Abrechnung im Jahr 1943


Mein UrUrgroßvater, der Polstermeister Bruno Weißmeyer (1871 - 1945), war ein scheinbar sehr gründlicher Mensch, was beim Lesen des folgenden Textes bemerkbar wird.

Er echauffierte sich über eine Familie Körber aus Halle a.d. Saale, mit denen er befreundet war. Diese Familie forderte wohl Geschenke zurück, die sie meinen UrUrgroßeltern machten. In Rage schrieb er dabei einige recht lustige Zeilen nieder. In dem mir vorhandenen Schriftstück vom 01. Oktober 1943 heißt es:

"Körbers sind bei uns vom Oktober 1928 bis Januar 1940, 47 mal bei uns zum Besuch gewesen. Die Besuche dauerten die ganzen
5 Jahre 2;3;5;8 und 11 Tage. Seit 1935 dauerten die Besuche meißt 14 Tage."

Anhand dieser Fakten rechnet er kühl:
"Das ergibt einen Durchschnittsbesuch von 8-9 Tage. Macht 423 Tage, ist sofern im Durchschnitt 400 Tage. Verzehrten pro Tag 5 Mark. Inklusive Kost, sogar Bedienung und die viele Aufregung, welche überhaupt mit nichts wieder gut zu machen ist. Bei jedem Besuch kommen noch vorher und nachher im ganzen 7 Tage hinzu. Um dafür eingerichtet zu sein und nach diesen Besuchen wieder alles in Ordnung zu bringen.". Soweit dazu. Da jeder Besuch Geld kostet, geht es daher in dem Schreiben so weiter: "Die Kosten für eine Person betrugen 2.000 Mark. Für zwei Personen 4.000 Mark, da aber die 1. fünf Jahre , 3 Personen kamen, so kommen noch 150 Tage hinzu, trägt 750 Mark. Summe: 4750 Mark...".

Nachdem mein UrUrgroßvater argumentiert, dass Frau Körber wohl von diesen 4.750 Mark ihre "aufgeführten" Geschenke bezahlte, die seiner Meinung nach nur einen Wert von 400 Mark hatten, kommt er zu dem Ergebnis, dass man "diese nach + nach mit gebrachten Geschenke 10x" hätte kaufen können. Als eine "Frechheit sondersgleichen" verurteilt er dieses Verhalten. Dann lässt er durchblicken, worum es eigentlich geht: "... und soviel Kosten und Aufregung zu machen. Und hinterher die Geschenke zurück haben wollen. Wir haben ja auch genügend Geschenke gemacht. Davon wird nichts erwähnt. Meine Kinder sind durch diese Ausnutzung benachteiligt. Diese Besuche haben jedes Mal mein Geld gekostet ich war der Verdiener".

Körbers waren 47 Mal zu Besuch ...Er unterschreibt diesen Text, ist scheinbar aber noch nicht fertig, dreht das Papier um und teilt weiter mit: "Ich war in dieser Zeit 9 Mal in Halle zu Besuch. Und zwar 45 Tage.". Nun wieder die übliche Rechnung: ". Und pro Tag 5 Mark trägt 225 Mark ab von 4.750 Mark bleibt 4.525 Mark. Also 1:9. Für solche unfaire Freundschaft, da danke ich, die bloß immer nehmen und alles gute gefallen lassen und selber wälzen sie alles von sich, um bloß nicht in ihrer Ruhe gestört zu werden." .

Hierauf folgt zum zweiten Mal seine Unterschrift, jedoch ist er noch lang nicht fertig. Er hat noch etwas anzumerken, fängt daher nochmals an:

"Zu bemerken ist noch, dass meine Frau, nach Besuchen, die über 10 Tage dauerten, ein bis zwei Tage hinterher ins Bett legen musste. So war sie jedes
Mal mitgenommen. Was auf ihre Zuckerkrankheit gehörig eingewirkt hat, bis sie endlich zu Grabe getragen wurde. Im Januar 1920 musste sie sich nach 11 tägigen Besuch 3 Tage ins Bett legen. Als sie kaum erholt hatte, waren die 3 Gestalten
Mitte Februar wieder zur Stelle. Aber nur 2 Tage. Dann waren die 3 Gestalten Ostern wieder zur Stelle, also noch nicht mal die 2 Feiertage hatte man Ruhe vor diesen... "
.

Nicht ich, sondern er selbst schloss dieses Schreiben mit drei Punkten. Sicher um nicht beleidigend zu werden.

Was aus dem Streit geworden ist, ist nicht bekannt. Bruno Wilhelm Louis Friedrich Weißmeyer starb am 12. Januar 1945 in Magdeburg.

[Quelle: privat vorhandenes Schriftstück]

 

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