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Adam Jäger und seine crepierte Kuh


Unter "Acta in Sachen Jud Meyers allhier entgegen Adam Jägern, dahier - eine von reo Klägern abgekauffte, nach der Hand aber crepierte Kuh, und die dieserwegen denegirt(e) Bezahlung derselben betr." versteckt sich folgende Geschichte:

Mein Oberurgroßvater (7xUr-Großvater) Johann Adam Jäger aus Weikersheim, geb. am 30.05.1689 in Weikersheim, kaufte im Sommer 1731 vom "Juden Meyer" eine Kuh zum Mästen. Nachdem Adam Jäger diese 9 bis 10 Wochen lang im Stall hatte und auch der Gemeindehirte nichts Auffälliges beim Austreiben bemerkte, ist diese Kuh "ohne alles Vermuten crepirt". Es wurden 2 Metzger hinzugezogen, die eine Öffnung des Kadavers durchführen sollten. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Kuh "an keinem alten - sondern an einem neuen Zufall vergangen" sei. Auf Befragen äußert Adam Jäger, dass er nichts Besonderes verspürt hatte, jedoch dachte, dass seine neu erworbene Kuh trächtig sein könnte.

Jäger forderte daraufhin von Meyer eine neue Kuh. Das Gericht schlug in einem Schreiben vom 22.01.1732 einen Vergleich vor, welcher beinhaltete, dass Adam Jäger dem Juden Meyer nur den halben Preis bezahlen muss. Jäger aber stimmte dem nicht zu und beharrte "auff seinen bekanden halßstarrigen und wilden Kopf". Er war der Meinung, dass er dem Meyer nichts bezahlen müsse, da er ja keine neue Kuh bekommen habe. Daraufhin wurde Adam Jäger 3 mal in das Rathaus geladen, jedoch erschien er kein einziges Mal. Er ließ "zurück sagen", dass er "auff dem Rathhauß habe er nichts zu thun und deß Juden Mayers halben gebe er keinen tritt".

Am 28.01.1732 entschied das Gericht Weikersheim, dass Adam Jäger entweder den Vergleich annehmen solle oder "die sache weiter auf s(eine) Kosten untersuchen lassen". Da er jedoch wieder nicht einer Einladung des Gericht folgte, musste er 45 Kreuzer als Strafe bezahlen.

Am 07.02.1732 wird in einem Bericht von dem Amt Weikersheim vermeldet, dass Adam Jäger sich noch immer nicht mit dem Juden Meyer einigen konnte. Als man mit Jäger dann eine Unterredung führte, bezog er sich auf Aussagen des Fleischers Johann Caspar Schmid, welcher bei der Öffnung des Kadavers anwesend war. Dieser habe ihm gesagt, dass die Kuh so beschaffen gewesen sei, dass Jäger dem Meyer nichts zu zahlen hätte.

Der Fleischer Schmid widersprach diesem jedoch vor Gericht und meinte, dass er Adam Jäger nur den Zustand der toten Kuh erklärt habe. Diese habe einen fast völlig faulen linken Lungenflügel und große Gallen. "Ob sie aber daran crepirt ... wisse er nicht". "Indeßen weigert sich der Jäger noch Beständig dem Juden satisfaction zu geben. Weickersheim d 7.Febr.1732".

Am gleichen Tage wird dem Amt Weikersheim mitgeteilt, dass Adam Jäger in 3 Tagen die Rechnung begleichen solle. Mache er dies nicht, so werde man die Schulden bei ihm eintreiben.

Es ist kein weiterer Vermerk zu finden, sodass ich davon ausgehe, dass der Jäger dem Juden Meyer die halbe Kuh innerhalb von 3 Tagen bezahlte.

[Quelle: Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein - Signatur: We40 Schubl.14 Fasz.496]

 

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